SÜDDEUTSCHE ZEITUNG TV
07.03.2010
 
   

 

Zoff am Zoll

Sendedatum: 07. März 2010 VOX 09:20

Partner: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG TV  

Schmugglerjäger am Flughafen

Süddeutsche Zeitung TV über den Spürsinn der Flughafenzöllner und zwei Beamte auf der Jagd nach Potenzpillen und Pornofilmen.

Frankfurt: Deutschlands Drehkreuz in die Welt. Über 1.000 Flüge, fast 200.000 Passagiere täglich – und jeder Fluggast könnte ein Schmuggler sein. Denn was in Deutschland oft überteuert ist, wie Kleidung und Elektronik; oder schwer zu bekommen ist – Stichwort Potenzpillen – wird oft tief im Koffer vergraben und geschmuggelt. Doch aus den vermeintlichen Schnäppchen kann schnell ein kostspieliges Vergnügen werden: Denn die Zöllner sehen oft auf den ersten Blick das schlechte Gewissen des Amateurschmugglers.

Ausreden, Streit, Lügen: So sieht für Stefan S. und Oliver K. der Alltag am Airport Frankfurt aus, Deutschlands größtem Flughafen. Sie kontrollieren stichprobenartig die ankommenden Passagiere aus aller Herren Länder. Besonders der günstige Dollar verleitet viele Reisende, Waren über dem Freibetrag von 430 Euro in die EU einzuführen - ohne die dafür vorgeschriebenen Abgaben zu zahlen. Aber wen die Zöllner erwischen, der muss eine hohe Nachversteuerung zahlen. Und zwar gleich.

Aber nicht nur das Reisegepäck ist für den Zoll interessant – viele Waren kommen auf dem Postweg nach Europa. Im Postzentrum treffen täglich drei Millionen Briefe und über 8.000 Pakete ein. Die Zöllnerinnen Julia S. und Sandra W. suchen nach verbotenen und anmeldepflichtigen Waren. Raubkopierte Musik-CDs und Kino-Filme finden die Zöllnerinnen kaum noch. Da läuft der illegale Warenverkehr längst digital übers Netz. Andere Güter wiederum boomen: Potenzpillen kommen millionenfach aus Asien nach Europa. Der Zugriff des Zolls rettet dabei Leben: Denn die berühmten blauen Pillen sind oft gefälscht.

Der Einfallsreichtum der Schmuggler kennt kaum Grenzen: kleine Mengen Marihuana in der Wattierung von Briefumschlägen, Amphetamine in Öldosen, Heroin in der Babyrasseln oder Kokain in Kaffeepaketen. Und bei verbotener Pornographie denkt so mancher Empfänger, dass der altmodische Postweg sicher ist. Weit gefehlt. Denn wenn Pornos entdeckt werden, gehen sie zur Staatsanwaltschaft Frankfurt. Dem Empfänger droht mindestens eine Geldstrafe, im Wiederholungsfalle oder bei Kinderpornographie sogar Gefängnis.

Autoren: Thomas Kretschmer, Andreas Vogginger
Moderation: Petra Glinski

     
 
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